Time: -19
»Da ist die Landschaft und der Fluß... und sonst nichts.
Und dann kommt einer und baut eine Brücke. Und plötzlich
gibt es ein Links und ein Rechts und ein Oben und ein Unten.«

Peter Zumthor

Webergrabenbrücke.

Umwidmung einer Brückenbrache
am Erlaufstausee
Studie: 08/2012

Abb.: Gartenstangen mit Bewuchs

Präambel
Die Webergrabenbrücke ist eine schöne Brücke. Die Zeit hat zwar ihre Konstruktion angegriffen, ihre Schönheit aber eher verstärkt. Heute zeigt sie sich als Brache: Verwachsen mit ihrer Umgebung – gesperrt für die Benützung.

Was soll man also tun?
Abreißen und neu bauen? Studien haben ergeben, dass das Abtragen der alten Brückenplatte – ohne die Entsorgungsfrage zu beantworten – mehr kostet, als die Errichtung eines neuen Brückenprofiles. Sanieren und Restaurieren? Expertinnen sind sich einig, dass kaum wer zu finden ist, der bereit ist, Aufwand und Haftung dafür zu übernehmen. Unser Vorschlag versucht beide Extreme zu vereinen. Wir wollen die Brücke mit einer zeitgemäßen Geste aktivieren, sie wieder begeh- und erlebbar machen, und wir wollen den Bestand erhalten oder besser, den Prozess verfolgen, wie sich eine technische Struktur in einen Naturraum verwandelt.

Wie geht das?
Ein biegesteifer Hauptträger legt sich auf die bestehenden Brückenpfeiler und unterstützt durch eine Anzahl an Querträgern die alte Stahlbetonplatte – nicht gleich, sondern dann, wenn diese zu versagen droht – in geschätzten 20 oder 30 Jahren. Die Stützkonstruktion wird aber jetzt schon angebracht, damit die Brücke wieder zugänglich wird und von einer aufwendigen Stahlbetonsanierung abgesehen werden kann. Es sind lediglich die Löcher im Beton zu flicken, da die zu erwartenden Zugkräfte nun von der neuen Stahlkonstruktion aufgenommen werden. Anders gesagt: Anstatt Armierungseisen in den Betonbestand zu zwängen, liegt das Eisen für die Zugkräfte außen, unter der Platte. Diese Querträger sind so versetzt, dass sich unsichtbare Druckgewölbe bilden können (siehe allgemeine Spannungsanalyse). In wieder anderen Worten: Die neue Stützkonstruktion legt sich auf die Brückenpfeiler, lässt sich Zeit und wartet in Ruhe auf das Versagen der alten Platte. Währenddessen wird der von der Natur begonnene Überwucherungsprozeß konstruktiv durch sogenannte “Gartenstangen” unterstützt, die es den Pflanzen erlauben, sich vertikal nach unten auszubreiten. Es entsteht ein neuer (Grün-)Raum unter der Brücke, ein “hängender Garten”, der sich in Richtung Wasser bewegt und die Brückenbrache endgültig in etwas neues verwandelt: Future Garden.

Abb.- Simulation unsichtbarer Druckgewölbe