Planung und Durchführung
Erstgespräch Sommer 2024, Endabnahme: Herbst 2025.
Die junge Bauherrin, Absolventin der Modeschule Hetzendorf, bekam im Zinshaus ihres Vaters ein strassenseitiges desolates Erdgeschosslokal zur Errichtung eines Ateliers. Die Räumlichkeiten sind für diese Nutzung ideal, gewähren sie doch sowohl von der Straße her als auch von einem begrünten Innenhof einen Zugang.
Das Atelier hat eine Länge von 32,61 Metern und eine Tiefe von 6,60 bis 9,95 Metern. Die gesamte Nutzfläche beträgt rund 178 m2 und lässt sich von der zentral gelegenen Textilwerkstatt mit 53,54 m2 bestens organisieren. Erfreulicherweise konnte die vorhandene räumliche Struktur beibehalten werden. Es mussten keine Mauern entfernt werden.
Die historische Bausubstanz verlangt kapillar- und diffusionsoffene Baumaterialen, die Feuchtigkeit aufnehmen als auch abgeben können. Vor allem im Sockelbereich spielen diese Materialeigenschaften eine besondere Bedeutung, da historische Bauten noch ohne Abdichtungssysteme gebaut wurden. Die von erdberührten Wänden aufgenommene Feuchtigkeit soll auch wieder an die Umgebung abgegeben werden können. Die bauphysikalischen Prinzipien konnten der jungen Bauherrin im Zuge der Materialfestlegungen vermittelt werden. Das Prinzip der Baudenkmalpflege „im System bleiben“ konnte hier auch in einem nicht denkmalgeschützten Gebäude angewandt werden. Es bedeutet nichts anderes, als originale Materialien- und Konstruktionsprinzipien des historischen Gebäudebestands einzusetzen und anzuwenden.
Der Innenputz der hofseitig gelegenen Aussenwand wurde zur Gänze abgetragen und reiner Kalkputz und Kalkfarbe aufgetragen. Wenngleich es mehrere Anläufe benötigte den Professionisten von dieser Ausführung zu überzeugen.
Rechts an das Atelier der Textilwerkstatt schließen sich eine Teeküche mit 28,73 m2 und ein Zimmer das auch zum Schlafen benützt werden kann mit 11,65 m2 an, links vom Atelier befinden sich die beiden gegenüberliegenden Eingänge sowie das WC und hofseitig das Bad und ein Archiv mit 22,32 m2, von dem aus links 2 Büroräume mit je ca. 24 m2 zu begehen sind.
Einig war man sich, dass die hofseitig bestehenden Kastenfenster unbedingt zu erhalten und zu sanieren sind. Da die Kastenfenster aussenbündig lagen, wurden in diesem Fall die aussenliegenden Flügel unter Berücksichtigung einer 2-fach Verglasung zur Gänze getauscht. Gewöhnlicher Weise sollte die 2-fach Verglasung an der Innenseite erfolgen um Kondensatbildung zu vermeiden. Im vorliegenden Fall wurde die Konstruktion so ausgeführt, dass Luft im Zwischenraum der beiden Flügel aber in den Innenraum entweichen kann.
Die Gläser der innenliegenden Flügel mussten teilweise ersetzt werden. Sieben große Kastenfenster durchfluten nun die hofseitigen Räume mit Licht.
Der Loftcharakter wird durch einen transparenten mit Gläsern rhythmisierten Raumteiler erhalten. Um die großzügige Einheit nicht zu unterbrechen, hat man durchgängig einen Boden aus hellen Eichendielen gelegt.
Die Rohinstallationen mussten zur Gänze erneuert werden. Sie wurden für unterschiedliche Nutzungsanforderungen vorbereitet um kurzfristige Anpassungen einfach durchführen zu können. Von den strukturell angeordneten Verteilern werden die E-Verkabelungen Aufputz geführt, was den Ateliercharakter zusätzlich unterstützt.
Die Beheizung erfolgt nach wie vor primär über eine Gastherme, welche die Fußbodenheizung speist; ein Schwedenofen deckt den ergänzenden Heizwärmebedarf.
Die Bauherrin hatte eine klare Vorstellung von den Farben: Einheitlich wurde Altweiss gewählt und für das Badezimmer Fliesen in einem kräftigen Altrosa. Die Küchenelemente sind im Sinne des Ateliercharakters minimalistisch aus Holzwerkstoffplatten gefügt.